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Toernbericht Karibik segelnDie
Karibik ... ursprünglich wollte ich
nie dorthin, ein Segelrevier soweit entfernt. 10 Stunden fliegen, Zeitumstellung
und Hochsommer im Januar. Sicherlich, ein traumhaft schönes Revier, aber soviel
Umstand für zwei Wochen Segelurlaub in einer Gegend die Langzeitsegler in einem
Jahr erkunden?
Nun bin ich aber doch auf Martinique angekommen, der Reiz
war größer als der Verstand und die Flottille von Segelurlaub.de bietet ideale
Voraussetzungen. Mit drei Schiffen, einer Gib Sea 43, einer Bavaria 44 sowie einem
Katermaran vom Typ Athena 38 starten 26 Personen ins Abentheuer der Karibischen
Inselwelt. Der Anflug erfolgte über Paris-Orly mit Air France sowie Air Caraibes.
Nach Westen ging der Flug um 7 Uhr los, Ankunft war um 16 Uhr Ortszeit, natürlich
mit Aufenthalt in Paris und 6 Stunden Zeitverschiebung gerechnet. So konnte die
Übernahme der Yachten vom Vercharterer Kiriacoulis noch am gleichen Tag erfolgen.
Diese Basis ist übrigens sehr gut geführt und nur zu empfehlen. Freundliches
Personal und gutes Material - teilweise alt, aber gepflegt. Wir starten am nächsten
Tag aus dem Hafen in Richtung See. An Backbord rot, an Steuerbord grün - man muß
immer wieder daran denken, dass es hier andersherum ist! Weiterhin gibt es eine
Missweisung von 15 Grad West, was man schon beachten sollte. Den ersten Tag verbringen
wir damit, dass die Crew Gefühl für die Yacht bekommt, schließlich will der Skipper
auch Urlaub machen und es sind nicht nur Segler an Bord.
Die Crew, das
sind 4 Frauen und 4 Männer im Alter von 30 bis 55 Jahren. Weiterhin ich als Skipper.
Die Erwartungen an den Urlaub sind dementsprechend durchaus unterschiedlich. Manche
möchten mehr Segeln, andere mehr von Land und Leuten kennenlernen. So macht ein
kurzer Anfangsschlag mit ca. 15 SM Sinn. Gegen 17 Uhr wird der Anker fest in den
weißen Sand der Saint Anne-Bay eingefahren. Wir gehen noch einen Augenlick Baden
bevor wir einen Sundowner nehmen und erstmalig an Bord kochen.. Die Einkäufe haben
wir vorher aus Deutschland online bei Carribiz.fr. getätigt, die Lieferung erfolgte
an Bord. Eine gute und sehr zeitsparende Wahl wie sich hinterher zeigte. Nun können
wir sozusagen die Früchte ernten und genießen nach dem Essen einen klaren und
interessanten Sternenhimmel. Der große Wagen hatte einen Unfall mit Überschlag
und steht auf dem Kopf, genau wie der Mond der in dieser Stellung als Regensammelbecken
dienen kann. Nach einer angenehmen Nacht, fast die gesamte Crew schläft an Deck,
geht es am nächsten Morgen um 9 Uhr Anker auf nach Saint Lucia. Es weht mit 4
Bft aus NE und wir laufen gegen 15 Uhr in der Marigit Bay ein. Schon weit vor
dem Hafen kommen Bananenboote auf mich zu und bieten ihre Ware feil.Wir kaufen
10 Bananen für 3 US $. Kein wirkliches Schnäppchen, aber lecker. Die Bananen schmecken
ganz anders als bei uns und sind kleiner. Die "Packungsgrößen" haben aber nichts
mit der Euroumstellung zu tun denn wir zahlen hier mit East Caribean Dollar oder
US Dollar. ( 1 US $ = 2,5 EC $ ) Nachdem wir unseren Handel beendet haben
kommt Kieran längsseits, noch ca. eine Meile vor dem Hafen. Er ist unser Führer
und wird in den nächsten Stunden alles für uns organisieren. Er sagt, er sei der
King von St. Lucia und das stimmt auch - zumindest wäre er es, wenn es denn einen
Monarchen dort gäbe. Er organisiert unsere Mooring-Tonne, bringt morgens um 7
Uhr frisches Brot, bringt Ice-Cubes und kommt morgens um 6.30 Uhr mit einem Taucher
der nach verlorenen Brillen taucht die beim nächtlichen Umtrunk im Wasser gelandet
sind. Außerdem besorgt er zwei Kleinbusse, die eine Inselführung für uns durchführen.
Wir besuchen die Pitons, schauen uns die heißen Schwefelquellen an, bekommen eine
Führung durch den traumhaften Botanischen Garten und duschen unter 30 Meter hohen
Wasserfällen. Die Tour dauert über 6 Stunden, ist ein fantastisches Erlebnis,
hat aber Ihren Preis. 30 US $ pro Person. Wir zahlen den Preis gern, denn es war
eine runde und lohnende Sache. Kieran ist sehr sympathisch und alles ist äußerst
korrekt. Er arbeitet nie selbst, managt für uns aber alles. Wie ein König eben.
Zwei Tage bleiben wir auf Saint Lucia in der berühmten Marigot Bay wo einst Dr.
Doolitle wirkte. Heute gibt es dort noch eine nach ihm benannte Bar. Eigentlich
ein "Muß", wir ließen sie aber irgendwie aus.
Das Programm war so gut,
dass uns dies erst beim Auslaufen auffiel. Als prägendes Erlebnis bleiben die
Kontakte zu den wirklich herzlichen, teilweise aber sehr armen und kranken Bewohnern
der Insel, die immer Fröhlichkeit ausstrahlen, obwohl sie nach unserem Ermessen
sicher einen schweren Stand haben. Heute starten wir um 7 Uhr in der früh´ nach
Bequia, südlich von Saint Vincent. Ca. 65 SM liegen vor uns und die Tage im Januar
sind kurz, auch in der Karibik. Segeln bei 4-5 Bft. aus ENE, 30 Grad, herrliche
Sonne mit einigen hohen Cirren. Ein perfektes Szenario für Wolkenkundler. Nach
10 Stunden und einem kurzen Badestop erreichen wir Bequia, das Zentum des öffentlichen
Lebens auf den Grenadinen.. Planmäßig wollten wir an die Mooringtonne im Port
Elizabeth in der Admirality-Bay, aber der Blick auf die 1 SM entfernte Ankerbucht
und den weißen Palmenstrand wirkt wie ein Magnet. Hier werden Postkarten gemacht,
einfach traumhaft! Nun wird es schnell dunkel. Es läuft eine deutlich spürbare
Welle in die Bucht und es zahlt sich mal wieder aus, dass ich in Sachen Ankern
ein 100prozentiger bin. Bei 6 Metern Tiefe und Sand allerdings auch kein großes
Problem ihn richtig einzufahren, 40 Meter Kette tragen ihrem Teil dazu bei. Kurz
einen "Anleger" trinken und die Sonne fällt ins Wasser. Wenige Stunden später
der Mond - so was habe ich noch nicht gesehen, aber ich bin ja auch noch jung....
Zum Essen gab es Reis mit Gemüse und allem, was weg muß. Reste eben, wir wollten
ja eigentlich ins Restaurant und waren daher ziemlich leergegessen. Auch die Weinvorräte
schwanden erschreckend schnell vor diesen romantischen Abendbildern.
Morgens
schwimmen wir in aller Früh´ zu diesem Strandparadies. Nicht ganz ungefährlich,
denn die Brandung ist stark und es gibt vereinzelte Felsplatten am Strand. Aber
alles geht gut. Zurück zum Schiff. Frühstücken, Anker auf und um 10 Uhr auf zum
nahen Port Elizabeth. Momentan haben wir ja den Status von Asylanten ohne Aufenthaltserlaubnis,
nicht gerade gute Seemannschaft. Wir machen für 40 EC $ an einer Mooringtonne
fest, und ich teile die Crew für die zu erledigenden Aufgaben auf: Spülen, Wasser
vom Water-Boat bunkern (nicht ohne vorherige Preisabsprache), Müll entsorgen,
Einkaufen, Ice-Blocks für den Kühlschrank auftreiben - es ist viel zu erledigen.
Ich mache mich zwischenzeitlich zumindest etwas landfein und auf den Weg zur Asylbehörde
um einzuklarieren. 370 EC $ für das Gebiet der Grenadinen. Es dauert und dauert....
Hast kennt man hier nicht und ich habe mich schon lange daran gewöhnt, problemlos!
Um Uhr 14 legen wir wieder ab, ca. 25 SM und die Riffe der Tobago Cays vor
uns. In der Dunkelheit sind die unbefeuerten Passagen nicht zu befahren. Alle
Laken raus, stetig über 8 Knoten bei "Halbem Wind", das sollte klappen. Helmut
hat in Bequia noch schnell eine Schleppangel gekauft. Raus damit und nicht mehr
drum kümmern... Die Bavaria läuft wie der Teufel und wir kommen dem Ziel immer
näher. Ich entschließe mich, mir vor den Tobago Cays die 4 SM entfernte Salt Whistle
Bay als Notalternative anzusehen. Auch das kostet Zeit. Es ist 17.20 Uhr und um
18 Uhr fällt die Sonne herunter und es ist dunkel. Wo war die Zeit geblieben,
wir laufen doch 8 Knoten? Ach ja, die Angel - als Helmut diese einholen wollte
zappelte dort ein großer Fisch. Er kämpfte am etwa 70 Meter entfernten Haken.
Fahrt aus dem Schiff und die Leine eingeholt, das dauert. Der Fisch bremste zusätzlich.
Nach ca. 20 Minuten lag er an Deck und war erschöpft. Ein Schlag mit der Winschkurbel
erlöste ihn und unser Abendessen war gerettet. Ein mindestens 50cm langer, drei
Kilo schwerer Baracuda. Nun aber mit dem letzten Büchsenlicht in die Cays. Anker
raus, drei Versuche, dann hält er auch bei 2000 rph im Rückwärtsgang. Der Abend
bei Weißwein mit dem Fisch ist großartig! Die Nacht ist angenehm kühl.Ein Gute-Laune-Frühstück
und wir verholen uns eine Seemeile weiter direkt vor das Hornshoe-Reef, denn erst
morgens werden dort wieder Plätze frei. Tauchen in diesem Riff, mit diesen Farben
und diesen Fischen, die Sonne im Rücken. Ich versuche gar nicht erst, das Gesehene
mit Worten zu beschreiben. Leider ist bereits viel kaputt. Auch an diesem Platz
der Welt herrscht mittlerweile Massentourismus und die Langzeitsegler erholen
sich. Taucher und Flossen zerstören vieles. Ein wunderschöner aber anstrengender
Tag geht mit Lobsteressen am Strand dem Ende entgegen. 25 US $ für den Lobster
ist ein fairer Preis. Getränke, Besteck und Teller müssen wir allerdings mitbrigen.
Leider habe ich vom stundenlangen Tauchen Kopfschmerzen und Sodbrennen
auf Grund des geschluckten Salzwassers. Aber fest steht, es wird jeder Tag schöner
nach Süden hinunter. Am nächsten Morgen gehen wir ohne Frühstück "Anker auf".
Um 8 Uhr sind wir weg. So sparen wir uns erneut die 90 EC $ welche wir pro Tag
für den Nationalpark Tobago Cays zahlen müssen was ich allerdings für legitim
halte - einmal. Ab 9 Uhr wird dort kassiert. Nur unter Fock rauschen wir mit über
5 Knoten durch die Riffe nach Palm Island. Die 5 SM sind schnell zurückgelegt
und wir ankern erneut. Diemal vor dem Strand des Palm Island Hotels, die einzige
Herberge dieses Paradieses. 40 Zimmer in 20 Bungalows, zu mieten ab 900 US $ pro
Tag. Nur die Strandbar darf von einfallenden Seglern betreten werden, der Rest
der Insel ist "private"! Überragende Drinks, mit und ohne Geist. Wir gönnen uns
einige davon - in Hängematten und unter Palmen serviert. Erstmals kommt die Frage
auf, warum eigentlich weiter ??? Die beiden anderen Yachten kommen nun auch zu
uns, sie haben noch einen weiteren Schnorcheltag im Riff eingelegt und befreien
uns von dem kompletten Ausstieg aus dem Alltag und beschützen uns vor weiteren
Drinks an der Strandbar des Palm Island. Wir schwimmen zurück zu den Yachten,
gehen Anker auf und setzen die restlichen 2 SM nach Union Island über. Dort erwartet
uns ein schöner Abend in Lambi´s Restaurant und wir werden von Tänzern bei einheimischer
Musik unterhalten. Hier gibt es auch eine der wenigen noch verbliebenen Steel-Bands
der Karibik. Diese muß man gesehen haben wenn man im Revier ist - einmal ist dann
aber auch i.O. Das Buffet ist mäßig aber für 20 US $ war auch nicht wirklich mehr
zu erwarten. Zum Vergleich, ein Ice-Block kostet 8 US $, Müll entsorgen ebenfalls
20 US $ wobei man hier keinen Zusammenhang suchen sollte.
Die Möglichkeiten
der Menschen die dort leben sind eben doch sehr eingeschränkt und sie geben mehr
Freundlichkeit und Herzlichkeit als gehobene Qualität. Nur Rum ist sehr gut und
preiswert! Immer wieder auch diese Gespräche mit den Langzeitseglern - gefährlich....,
aber doch (noch) ein weiter Weg. Unsere erste Woche ist nun vorüber. Am nächsten
Morgen füllen wir unsere Wassertanks und starten gegen 11 Uhr in Richtung Grenada
/ Sandy Island. Vor uns liegen ca. 10 SM, halber Wind, 5 Bft. aus NE. Wie immer!
Die Etmale sind in diesen Breitengraden nicht mehr lang, es bleibt viel Zeit,
das Leben zu genießen. Auf Reede vor Sandy Island erwarten uns wieder diese wundervollen
türkisfarbenen Wasserspiegel-ungen. Wir schwimmen und schnorcheln. Leider ist
die Insel beim letzten Hurrikan im Jahre 2002 stark zerstört worden. Kleine Palmen,
ca. 50cm hoch, wachsen nun neu an. Bleibt zu hoffen, dass dieses Eiland in seiner
vollen Pracht wieder neu entsteht. Nun geht es weiter nach PSV, Petit Saint Vincent.
PSV ist eine Hotelinsel, letzter südlicher Punkt unserer Reise und auch der Grenadinen.
Das erspart das erneute Einklarieren. Leider kommt es anders. Während wir am Wind
aufkreuzen gibt es plötzlich einen lauten und dumpfen schlagartigen Knall Ein
Blick in das Rigg und sofort wird klar, das Luv-Want ist gebrochen. Zum Glück
nur die Verbindung zwischen Unter- und Obersaling. Sofort wird gewendet, das Want
entlastet. Neuer Kurs Union Island, da kamen wir her. Im Hafen werden wir bereits
vom Kiriacoulis-Mechaniker erwartet. Er klettert im Bootsmannsstuhl in den Mast.
Wir brauchen Originalteile von Bavaria. Die kommen zwar schnell, aber heute ist
Samstag 17 Uhr.... Die Reparatur wird für Montag 8.30 Uhr avisiert. Also wieder
ein netter Abend in der Bucht von Clifton bei Lambi´s. Am Sonntag machen wir 5
SM unter Motor nach Nord. Das Rigg sollte m.E. in diesem Zustand keine Belastung
bekommen, schließlich bin ich kein Riggbauer und trage Verantwortung für die Crew
und den Resturlaub. Die Salt Whistle Bay auf Mayreau wird angelaufen. Mal wieder
Wasser in atem- beraubenden Farben und toller Tauchgrund vor Anker. Wir starten
nach dem Schwimm-/Tauchgang zur Beachbar. Happy Hour zwischen 16.30 und 17.30
Uhr, das bedeutet zwei Drinks für 13 US $ - egal was - fürchterlicher Gedanke.
Der Abend kostet richtig Kraft. Mit dem Dingi geht es zurück an Bord. Leider werden
einige $, Kameras etc. durchnässt, aber die See fordert eben ihre Opfer. Dingifahren
und Strandbar, irgendwie harmoniert das nur selten. Nun sind wir aber alle wieder
an Bord und es gibt leckere Nudeln mit Zwiebeln, Tomatensauce und Gemüse.
Am
nächsten morgen starten wir um Uhr 7 Uhr mit schwerem Kopf den Motor und fahren
zu unserem Mechaniker nach Union Island zurück. Der ist auch pünktlich um 8.30
an Bord, mit dem Originalwant in der Hand. Zwar Original Bavaria, passt aber trotzdem
nicht 100%ig. Eigentlich ist dieses Teil für eine Bavaria 46. Was soll´s. Er flext
ein wenig daran herum, dann passt es. In der Zwischenzeit hat die Crew eingekauft
und wir haben unser Schiff wieder mit Wasser betankt. Der Kühlschrank hat neues
Eis und vor allem neues Bier. Nichts gegen gekühlte Paprika, aber - na ja....
Pünktlich um 12 Uhr stechen wir erneut in See und bereits nach einer Meile werden
die vollen Segel gesetzt. Kurs hart am Wind auf Mustique. Das bedeutet 36 SM unter
Segeln vor uns. Knapp, bei der frühen Dunkelheit. Bisher hält das Rigg einwandfrei
und wir machen fast 7 Knoten. Das reicht nicht um zumindest in der Dämmerung anzukommen.
So bergen wir eine Stunde vor Dunkelheit und etwa 8 Sm vor Mustique die Segel..
Anker ordentlich eingefahren und immerhin: Es ist 18 Uhr und es liegt ein schöner
Tag mit immerhin 26 SM bei nur 15 MM hinter uns. Wenn man bedenkt, was wir mit
unserem gebrochenen Rigg alles erledigt haben, doch durchaus zufriedenstellend.
Wir sind wieder bei der Flottille und auf uns wartet Basil´s Bar. Der Promitreff
der Karibik. Hier trifft man Mick Jagger, Tommy Hilfiger und David Bowie. Spontan
entscheide ich mich anderweitig und gegen die Mehrheit der Crew. Die Crew setzt
über und ich bleibe mit Oliven, Feta und Wein an Bord. Wenn der Jagger was will,
kann er ja gern zu mir rüber kommen. Ein ruhiger und sternenklaren Abend liegt
vor mir. Die Bar und das Restaurant, so berichtet meine Crew mir am nächsten Tag,
sind sehr gut. Besonders für die Weine hätte es sich gelohnt. Aber eben auch teuer.
Es hat jedenfalls allen gefallen, aber wir sind uns einig, dass man nicht unbedingt
noch einmal hin muß. Jagger und Co. waren übrigens nicht da.
Wir brechen
am nächsten Morgen wieder einmal früh auf, diesmal liegen erneut 35 SM vor uns.
Nördliche Kurse, wir sind klar auf dem Rückweg. Leider kaum Wind. Nach 20 SM legen
wir im Süden von Saint Vincent einen Badestop ein. 1,5 Stunden später brechen
wir auf in die Cumberland Bay. Hier ist Saint Vincent am ursprünglichsten. Die
Menschen sind sehr arm hier, ärmer als bisher in dieser Region gesehen. Auf Surfbrettern
paddeln sie um uns herum, wollen Früchte verkaufen und binden unsere Heckleinen
um Palmen. Es ist ein sehr unangenehmes Gefühl diesen Menschen für Ihre Hilfe
vom Deck unserer Yacht ein paar Dollar zu reichen. Abends gehe ich mit Helena
zu Joseph in sein Restaurant. Er ist sehr sehr arm, zumindest materiell betrachtet.
Es gibt bei ihm nur Reis und Red Snapper, aber wir werden sehr herzlich empfangen.
"Enjoy the food" sagt er. Es schmeckt sehr gut. Der Mann humpelt beim Servieren.
Er hat eine schwere Arthrose in beiden Beinen und erzählt uns, er habe neun Kinder.
Nach dem Essen, er würde dabei niemals stören, erzählt er ein wenig aus seinem
Leben. Sehr bewegende Momente. Wir waren fast die einzigen Gäste. Kein Wunder,
denn nach einem zweiten Tisch in seinem Restaurant musste er suchen - so arm war
er. Wir haben nicht nur frisch und gut gegessen, ich denke er war auch froh ein
paar EC $ verdient zu haben. Morgens binden wir uns von der Palme los, holen das
Dingi ein und starten um 7 Uhr in Richtung Saint Lucia. Meine Crew ist teilweise
in einem desolaten Zustand - es gab den besten Rumpunsch der Reise. Wo auch immer....
Diese Er- scheinung zog sich jedenfalls durch die gesamte Flottille. Helena und
ich hatten die richtige Wahl getroffen. Diesmal geht es in die nördlich gelegene
Rodnay Bay Marina. 54 SM, davon 45 unter Segeln. Teilweise haben wir 5-6 Bft.,
wie immer aus NE-E. Das Schiff läuft stetig über 7 Ktn. So liegen wir nach einem
prima Segeltag gegen 17 Uhr im Hafen. Die Marina ist relativ preiswert und für
örtliche Verhältnisse auf einem sehr hohen Level. Hier liegen auch, im Gegensatz
zu den bisherigen Plätzen, viele US-Amerikaner. Alles ist vorhanden. Wir genießen
den Komfort, duschen und essen an Bord. Um 22 Uhr ist bereits alles in den Kojen,
die gleißende Sonne hat ihren Teil dazu beigetragen. Nicht einmal zu einer Zigarre
mit Rotwein und Käse habe ich mich hinreißen lassen. Nun steht unser letzter Tag
auf See bevor. Nur noch ca. 25 SM zurück nach FDF gilt es zu absolvieren. Wir
starten gegen 11 Uhr nach ausgiebigem Frühstück und letztem Nachbunkern. Der Kurs
ist mit 30 Grad wie immer "hart am Wind". Wir laufen in etwa 6 Knoten, aber es
fehlt etwas die Höhe. So werden es doch über 30 Seemeilen. Drei Seemeilen vor
dem Hafen reißt uns noch die Holeleine der Großsegelreffanlage. Sie schlägt, aber
die Lage ist im Griff. Das Großsegel wird eingeholt, den Rest laufen wir nur unter
Fock. Interessanterweise machen wir so nur ca. 1,5 Knoten weniger Fahrt. So kurz
vor dem Ziel kein Problem mehr. In der Bucht von Saint Anne legen wir noch einmal
einen 40-minütigen Badestopp auf Reede ein. Erinnerungen an den ersten Tag werden
wach. Sind wirklich zwei Wochen um? Zwei Wochen im Paradies? Dann geht es zum
Tanken. Wir bunkern 80 Liter Diesel. Bei 22 Motorstunden durchaus akzeptabel.
Nun ein letzter Anleger im Hafen von Le Marin. Alles gut vorbereitet - und als
erstes Schiff der Flottille im Hafen - klappt auch dieses prima. Vor den Augen
der Vercharterers, sozusagen der wichtigste Anleger, erleichtert dies die Übergabeformalitäten.
316 Seemeilen, davon 189 SM unter Segeln, ein gutes Törnresultat. Insbesondere
wenn man bedenkt, dass wir im Süden doch das Leben mächtig genossen und viel "rumgelungert"
haben. Nun gehen wir ein letztes mal gemeinsam essen, bevor wir morgen in alle
Winde davonfliegen, jeder mindestens 10 Flugstunden nach Osten !!! vor uns, zzgl.
der Zeitvergeudung auf den Flughäfen. Das ist schon sehr anstrengend. Es war ein
wunderschöner und gelungener Törn von dem wir alle noch lange zehren werden. Ich
bedanke mich bei meiner Crew für die schöne Zeit an Bord! Macht´s gut und bis
demnächst - woanders im Paradies...... o)
Besten Dank an Martin fuer
diesen Bericht! | | | |

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Dirk |